Sonntag, 15. Januar 2017

Aschbach - Kilmarnock

Hört auf eure Intuition und achtet auf Signale, die euch das Universum sendet.
Als Dylan und ich Anfang Dezember von Schottland nach Österreich ge-hitch-hiked sind, hat alles wie am Schnürchen geklappt. Sofort nachdem wir den Entschluss gefasst hatten und unsere Route fest gelegt war begann ich Couchsurfing-Hosts in den Städten anzuschreiben. Und zwei Tage später hatte ich in jeder Stadt eine Unterkunft gefunden. Die Reise selbst war anstrengend, aber wir sind jeden Tag dort angekommen wo wir hin wollten.
Für mich stand damit schon fest, dass ich auch den Weg zurück autostoppend zurücklegen will. Und wenn ich einmal einen Plan im Kopf hab, fällt es mir sehr schwer, was daran zu ändern <-- eins der Dinge, an denen ich arbeite…
Als ich dieses Mal die Route und die Aufenthalte zu planen begonnen hab, hatten wir von Anfang an ein komisches Gefühl. Ich habe bestimmt doppelt so viele CS-Hosts angeschrieben wie vor einem Monat und nur wenige Zusagen bekommen. Bis zum Schluss hatte ich nicht für alle Städte eine Unterkunft. Unsere geplante Route war: Passau – Regensburg – Würzburg – Wiesbaden – Nümbrecht – Düsseldorf – Amsterdam – dann mit der Fähre nach Newcastle und direkt nach Kilmarnock.
Am Montag hat uns mein Bruder Fabian nach Oed zu der Autobahnraststätte in Oed gebracht. Von zu Hause hatten wir Karton mitgebracht, um Schilder zu schreiben. Wegen Temperaturen unter Null suchten wir das Restaurant der Raststätte auf, um unsere Vorbereitungen zu treffen. Montag, 9:00 Uhr, wir waren, abgesehen von den Bediensteten, die einzigen Leute in dem Raum voller Tische. Wir packten gerade den dicken schwarzen Filzstift aus, da kam einer davon auf uns zugewatschelt: „Was darf ich denn zum Trinken bringen?“ „Nichts, danke, wir wollen uns nur schnell die Finger aufwärmen, sind in 5 Minuten wieder draußen.“ Mit einem: „Wenn ihr nichts konsumiert, dürft ihr hier nicht sein.“ wurden wir hinaus komplimentiert. Ich würds ja nachvollziehen können, wenn die Bude voll gewesen wäre und wir den Tisch für potentielle Kunden blockiert hätten, aber da war NIEMAND. Und alle, die mit „es ist halt so“ argumentieren, schaut euch mal dieses Video hier an, und dann reden wir noch mal darüber ;)
Nach einer Weile blieb ein rotes Auto mit deutschem Kennzeichen stehen. Ein gebürtiger Serbe, der auf Familienbesuch war und Richtung München fuhr, bot uns an uns bis zur Grenze mit zu nehmen. Er fuhr extra für uns einen Umweg und brachte uns zur Raststätte vorm Grenzübergang Suben. Es war genau Mittag, als wir dort ankamen. Mehr als genug Zeit, um bis nach Passau zu kommen – dachten wir uns. Als es dann plötzlich 22:00 Uhr war, waren wir davon überzeugt, dass Autostoppen in Österreich keinen Spaß macht.
In der Zwischenzeit wurden wir in der Raststätte ermahnt, dass wir nicht da drin schlafen dürfen (hatte auf der Sitzbank im Restaurant kurz meine Augen ausgeruht – und wieder hatten wir den Platz nicht blockiert, weil keine Nachfrage da war – und außerdem haben wir sogar 2x was zu Essen gekauft, da drin). Die Kellnerin schlug uns vor, doch ein Zimmer in dem Hotel zu nehmen, das gleich ums Eck war. Wir zogen das ernsthaft in Erwägung. Doch der Zimmerpreis von € 95,- war uns dann doch dezent zu hoch angesetzt. Eine andere Kellnerin bot uns an, uns nach Dienstschluss  nach Schärding zur Haltestelle der ÖBB zu fahren. Blöderweise war ihr Dienstschluss erst um 22:00 Uhr und der letzte Zug nach Passau wäre schon abgefahren, bevor wir dort angekommen wären.
Wir stellten uns also noch mal mitten in den Kreisverkehr (also schon an den Rand, aber halt zwischen zwei Ausfahrten), weil die zweite Kellnerin meinte, dass es dort einfacher sei, ein Auto zu bekommen, als bei der Ausfahrt der Raststätte. Das erste Auto, das stehen blieb, war ein Polizeiauto. Es stoppte neben uns, der Beifahrer ließ das Fenster runter und … sagte erstmal garnichts. Also lag es offensichtlich an uns, diese Konversation zu beginnen und starteten mit einem simplen „Hallo“. „Wie oid satzn ihr?“, war ihr Beitrag zum Gespräch. „25“, erklärte ich. „Ah dann passt des eh. Wo wolltsn hin?“ „Nach Passau“ „Da fahrn ma leider ned hin. Viel Glück nu“ und weg waren die beiden wieder.
Wir wurden dann von dem Würzburger Olaf aufgegabelt, der bis nach Würzburg fuhr, wir fuhren dann die ganze Strecke mit übersprangen so Passau und Regensburg. Zum ersten Mal bei unseren zahlreichen Grenzüberquerungen standen 2 Beamte da – einer davon mit großem Schießinstrument, aber wir erweckten offensichtlich nicht ihr Misstrauen. Glücklicherweise bot uns Olaf an, dass wir bei ihm übernachten konnten. Am nächsten Morgen brachte er uns zur nächsten Autobahnraststätte. Die war ein bisschen blöd, weil wegen Baustelle wenig Verkehr. Trotzdem warteten wir nicht soooo lange, bis uns TilSchweigerLookAlike bis zur nächsten, höher frequentierten, Raststätte brachte. Dort gabelte uns ein älterer Herr im fancy Mercedes auf, der uns wieder eine Raststätte weiter brachte. Eine Dame aus in der Nähe von Kufstein nahm uns von dort aus mit, bis eine Raststätte vor ihrer Abfahrt kurz unter Frankfurt. Da unser Plan sowieso schon komplett durcheinander gebracht war, hatten wir beschlossen, einfach so weit wie möglich zu hitch hiken.
Wir hatten uns gerade wieder eine Stunde lang in der Raststätte aufgewärmt und unsere Nasen in die Kälte gereckt, da kam eine Holländerin (wie sich später heraus stellte) auf uns zu und bot uns an, uns mit zu nehmen, bis über die Grenze nach Holland! Zwar nicht auf dem Weg wie wir geplant hatten, aber wir waren ja sowieso schon komplett von unserem ursprünglichen Plan abgewichen, also stimmten wir zu. Hauptsache weiter!
Es war schon dunkel, als sie uns raus ließ. Wir hatten keine Idee, wo wir diese Nacht verbringen würden, aber diese Raststätte hatte 24 Stunden geöffnet, also konnten wir zumindest rein zum Aufwärmen, falls wir hier stecken bleiben würden.
Zwei holländische Typen brachten uns dann aber doch noch zur nächsten Tankstelle. Das hätten wir mal lieber bleiben lassen sollen. Denn diese sperrte zwischen 2 Uhr und 6 Uhr zu. Und an dieser Tankstelle saßen wir dann wirklich fest. Es ist schwierig, Mitfahrgelegenheiten zu bekommen, wenn die Leute die Gesichter der Autostoppenden nicht sehen können, weil noch dazu die Straßenlaterne nicht funktioniert. Kurz bevor die Tankstelle zu sperrte, verbrachten wir ein paar Minuten drin, um ein bisschen Wärme für die kommende Nacht zu tanken.
Die 4 Stunden draußen waren nicht schön. Zum Glück hatte es Plus-Grade, ca. 5°C oder so, aber es war äußert schmerzhaft, die Nacht im Freien verbringen zu müssen.
In der Früh bot uns ChristophWaltzLookAlike an uns zum Bahnhof in Cuijk zu bringen, von wo aus wir den Zug nach Amsterdam nahmen.
Da waren wir also, eine Woche zu früh, müde und erfroren. Wären wir doch nur geflogen xD
Nach vielen gereizten Überlegungen, was tun, und einer Tasse Tee, buchten wir ein Zimmer in einem Hostel. Nach einer Dusche, ein paar Stunden Schlaf und was Vernünftiges zu essen (nicht den super überteuerten nährstoffarmen Tankstellen Fraß) ging es uns wieder besser.
Ich buchte die Fähre um, auf den nächsten Tag und so kam es, dass wir 6 Tage früher als gedacht das Festland verließen.
Während der Reise habe ich mich selbst verflucht, nicht auf mein komisches Gefühl beim Planen gehört zu haben und den einfacheren Weg (Flugzeug) gewählt zu haben. Es hat nicht so reibungslos funktioniert, weils nicht sein hätte sollen.
Aber jetzt im Nachhinein war es eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Samstag, 7. Januar 2017

etwas verspäteter Eintrag… hitch hiking through Germany

Arnhem – Duisburg
Lisa, unser Cs host in Duisburg hatte uns gesagt, wir müssen vor 16 Uhr ankommen, weil sie später nicht zu Hause ist. Wir waren also zur ausgemachten Zeit vor ihrer Tür, aber niemand öffnete. Nach einer Weile antwortete sie dann auf meine SMS, dass sie noch bei ihren Eltern sei und erst in einer Stunde ca nach Hause käme. Wir beschlossen auf ihre Rückkehr zu warten, da wir keine Ahnung hatten, wo wir hingehen könnten und unsere Rücken wegen der Rucksäcke sowieso schon beleidigt waren. Unsere Ärsche hatten sich temperaturmäßig schon an den Untergrund angepasst und unser Körper das Blut aus den Gliedmaßen zu den überlebenswichtigen Organen umgeleitet, als ein Mädl vorbei ging und uns ansprach. Sie hätte uns von ihrem Fenster aus dem gegenüberliegenden Wohnhaus gesehen und ob wir freiwillig da sitzen würden, falls nicht, könnten wir gerne zu ihr mit kommen. Sooo lieb! Nur eines von vielen Erlebnissen auf der Reise, die beweisen, dass es viele tolle Menschen da draußen gibt.
Spät aber doch kam Lisa dann und ließ uns in ihre Wohnung hinein. Da sie selbst die Nacht bei ihrem Freund verbrachte teilten wir ihr Refugium mit den Katzen „Happy“ und „Peanut“, für die es nichts Schöneres auf der Welt gab, als sich mit der Katzenbürste das Fell striegeln zu lassen.

Duisburg – Frankfurt


Auf dem Weg von Duisburg nach Frankfurt wurden wir zum ersten Mal (von zwei Malen) von einer Frau mitgenommen, die alleine unterwegs war.
Es gab noch einige andere Meschen, die uns geholfen haben, die Strecke zu bewältigen, aber blöderweise habe ich die Details nicht gleich notiert und mittlerweile sind sie in den Tiefen meines Gehirnes verschwunden.
Aber der Typ der uns auf dem letzten Streckenabschnitt mitgenommen hat, hat uns direkt vor die Tür von Flo’s Wohnung gesetzt, was wir seeeehr schätzten!
Unseren Host Flo kannte ich über eine gemeinsame Bekannte. Im Frühling hatte ich ihm und seinen damaligen Reisegefährten (auch) Flo (die beiden radelten durch Europa) in Linz Unterschlupf gewährt. Beim „anderen“ Flo konnte ich im September in Reykjavik unterkommen – er studiert grade dort. (Der erste) Flo war zwar gerade in Brüssel, aber seine Mitbewohnerin empfing uns in ihrer WG mit Ausblick auf den Main.

Frankfurt – Nürnberg
Der Weg von Frankfurt nach Nürnberg schien zu Beginn schwierig zu werden. Wir warteten sehr lange, um endlich eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen und nach einem kurzen Chat nach dem Einsteigen, stellte sich heraus, dass er an der nächsten Kreuzung in die entgegengesetzte Richtung abbiegen wird. Wir dachten uns, egal, hauptsächlich mal raus aus der Stadt!
Wieder gab es einige nette Leute, die uns auf den Weg nach Nürnberg weiterhalfen, aber wieder kann ich mich nicht an alle erinnern *shame on me* - nächstes Mal werde ich gleich ein bisschen mit schreiben ;)
Auf jeden Fall war ein gebürtiger Rumäne dabei, der schon seit einigen Jahren in Frankfurt lebt und gerade dabei war, die Taxler-Prüfung zu machen. 33.000 Straßen, die er auswendig lernen musste! :O Bei der Raststation, bei der er uns wieder raus ließ hat er uns dann auch noch auf ein Croissant und einen Tee eingeladen und seine Sprach-Kenntnisse demonstriert (er sprach 9 Sprachen!). Der Grund, warum ich mich an ihn erinnere war aber ein anderer. Es war die Motivation die dahinter steckte, dass er uns mitgenommen hatte. Er wollte (uns) damit zeigen, dass nicht alle Rumänen so sind, wie der landläufige Ruf und bat uns unseren Freunden und Bekannten auch davon zu erzählen. Traurig, dass es notwendig ist, zu beweisen, dass Vorurteile meistens nicht mehr sind als Vorurteile. Und ein guter Moment sich daran zu erinnern, dass Interaktion und Kommunikation der Schlüssel für ein Miteinander sind.
In Nürnberg trafen wir die liebenswerte Margot, unseren Cs-host, beim Hauptbahnhof.

Nürnberg – Oed
Da Margot um 7:15 Uhr aus dem Haus musste und wir mit ihr mit raus mussten, überlegten wir uns, den nächsten Halt, Passau, zu überspringen und direkt nach Österreich zu hitchen. Sollte doch kein Problem sein, da wir 3 Stunden früher als normal los gingen. Dachten wir. Nachdem wir nach 3 Stunden noch immer nicht vom Fleck gekommen waren, begann sich unser Optimismus schön langsam von uns zu verabschieden. Als wir von einem
grauhaarigen-pferdeschwänzigen hitch-hiker-Kollegen dann zwei Eiskaffee und ein Sackerl voller Mehlspeisen und Milchschnitten (aus dem „Tafel“-Auto mit dem er mit fuhr) geschenkt bekamen, hob sich unsere Laune dank Koffein- und Zuckerschock wieder ein wenig. Schlussendlich war ich so high (und des Wartens müde), dass ich einfach einen Autofahrer anquatschte, ob er uns nicht zumindest aus der Stadt raus helfen könnte. Und obwohl er in die falsche Richtung auffahren würde, stiegen wir ins Auto ein, schließlich wussten wir mittlerweile, dass man sobald man mal auf der Autobahn war einfacher Mitfahrgelegenheiten bekam. Es lief dann ca. so ab: raus aus der Stadt, auf die A6 in die falsche Richtung, runter von der A6 (irgendeine Straße die südlich führte), raus bei der nächsten Raststation, Daumen in die Höhe, wieder hoch auf die A6, aber weiter in die entgegengesetzte Richtung, wieder raus bei der nächsten Raststation, Daumen hoch,
Mitfahrgelegenheit in die richtige Richtung (JUUHHUUUU), Fahrer fuhr extra Umweg, damit wir auf die A3 kamen und schmiss uns da auf der nächsten Raststation raus – Fazit: nach 7 Stunden auf der Straße endlich auf der richtigen Autobahn. Mittlerweile hatten wir uns von der Idee, direkt nach Österreich zu hitchen verabschiedet und fanden uns mit der Möglichkeit ab, eventuell in der Raststation übernachten zu müssen – wär ja egal, Hauptsache warm. Nach nochmal ca. 40 Minuten – wir hatten gerade beschlossen, wenn uns in 20 Minuten niemand aufgabelt gehen wir zum Aufwärmen rein – hielt tatsächlich ein Auto neben uns. Wo wir denn hin wollen, fragte der Fahrer. „Auf der A3 südwärts nach Passau“, antwortete ich. Was denn unser Ziel sei, fragte er weiter. „Österreich“, erwiderte ich. „Wo denn in Österreich?“, wollte er wissen. „Niederösterreich“, spezifizierte ich meine Angaben. „Wohin in Niederösterreich?“ – mann war der neugierig, die meisten Deutschen können mit der Ortsangabe „Amstetten“ eh nichts anfangen – aber nachdem er fragte, konnte ich ja nicht nicht antworten und sagte es ihm also. „Passt, da fahr ich eh vorbei, könnts mitkommen“, war seine Reaktion. Uns fiel das Kinn bis zum Boden – ja also mir zumindest, Dylan hat ja von dem Dialog, den wir auf Deutsch führten, nichts mitbekommen. Aber als ich ihm die frohe Botschaft mitteilte konnte ich erahnen, wie mein Gesichtsausdruck gewesen sein muss :D
Wir sagten unserem CS-host in Passau kurzfristig ab – Sorry nochmal dafür, Nastja – und ließen uns nicht zweimal bitten, unsere Rucksäcke in dem Auto zu verstauen. So a masn!! Wieder einmal konnten wir am Ende des Tages erkennen, warum alles genau so passieren hatte müssen, wie es passiert war. Alles griff perfekt ineinander, eine Lehre fürs Leben: am Ende kommt es immer so, wies kommen muss, auch wenn man momentan vielleicht nicht verstehen kann, warum dies und jenes gerade so ist wies ist. ALLES WIRD GUT
Die Strecke von Nürnberg nach Oed war für mich die angenehmste, da der Fahrer gerne erzählte und deshalb meine Beteiligung am Gespräch sich auf Nicken und gelegentliche Fragen beschränkte. Nach 8 Tagen Small Talk und immer die selben Geschichten erzählen unglaublich angenehm! Noch dazu kam, dass der Organist aus Thüringen, der auch Musicals und Theater schreibt – sein Stück „die goldene Gans“ wurde in Ulmerfeld uraufgeführt – sehr gut erzählen konnte. Die 4 Stunden Fahrt vergingen schnell.
In Oed holte uns meine Mum von der Autobahnabfahrt ab. Auf 8 Tage hitch hiken folgte ein Monat Aufenthalt in Aschbach, währenddessen wir uns erholten und an Weihnachtskeksen fett fraßen.

An dieser Stelle nochmal DANKE an all die lieben Menschen, die uns in ihren Autos mitgenommen haben, 2 Fremde mit großen Rucksäcken, und dafür oft an unmöglichen Stellen gehalten haben, Umwege gefahren sind und uns mit Informationen und Geschichten versorgt haben! DANKE auch an unsere Couchsurfing-Hosts, die ihre Wohnungen mit uns geteilt haben, uns ihre Küchen und Badezimmer benutzen haben lassen und uns warme Nächte beschert haben!

Am Montag geht es wieder los, in die entgegengesetzte Richtung. Drückt uns die Daumen und wünscht uns Glück. Ich werde euch natürlich mit den neuesten hitch-hiking-Nachrichten versorgen ;)


Samstag, 3. Dezember 2016

3 Länder in 5 Tagen

more Isle of Arran
Sally’s Familie war am zweiten Wochenende zu Besuch, ihre Tochter Sarah mit Ehemann Robin und Sohn Fergus. Der kleine Zwerg war erst 3 Wochen alt und echt zum knuddeln ^^
Da die drei „mein“ Zimmer bekamen, „musste“ ich in eins der Cottages ziehen. Gina kam zu Besuch und blieb die Nacht von Sa auf So bei mir. Am So fuhr ich dann zu ihr nach Lamlash, eine ihrer Lehrer-Kolleginnen kam auch vorbei und wir feierten eine kleine Pizza Party.
An meinem letzten Abend auf der Insel (Dienstag) lud mich Gina ein mit ihr und ein paar ihrer Kollegen essen zu gehen.
Dann war es Zeit die Koffer – nein den Rucksack zu packen und sich wieder einmal von einem workaway-Platz zu verabschieden. Sally fuhr auch wieder nach Glasgow, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und hat mich am Weg dahin in Kilmarnock bei Dylan und seinem Bruder Kyle abgesetzt…

Kilmarnock
…wo ich fast eine Woche damit verbracht habe mit den beiden Windhunden Zoe und Jade spazieren zu gehen, mit Kyle‘s Sohn Matador zu spielen und Pizza zu backen.



good night Newcastle


Newcastle & Amsterdam
Am 21. Nov. sind Dylan und ich von Kilmarnock nach Newcastle getrampt, von wo aus wir mit der Fähre nach Amsterdam gefahren sind. Wir sind mit 3 verschiedenen Autos mitgefahren, wobei wir mit den ersten beiden nur kurze Strecken zurückgelegt haben und mit dem dritten dann den Großteil. Blöderweise hatten wir am Weg eine Reifenpanne, und wir mussten dann ziemlich lange warten, bis das repariert war. Wir hätten zwar versuchen können, andere Autos zu stoppen, waren aber zu faul dazu. Als der Reifen dann ersetzt war, war es schon dunkel und kalt – es gab keine Heizung im Auto – und als uns der Fahrer dann direkt zu der Adresse unseres Couchsurfing-Hosts Megan gefahren hat waren wir ziemlich dankbar.
Wir mussten dann noch ein bisschen Zeit totschlagen, da Megan auch grade erst auf der Heimreise von Prag war und selbst noch nicht zuhause war, als wir dort ankamen.
good morning Amsterdam
Am nächsten Morgen musste sie zur Arbeit, wir durften glücklicherweise ausschlafen, unsere Fähre legte auch erst um 17 Uhr ab. Wir hatten absolut keine Eile. Am Nachmittag sind wir ein bisschen in Newcastle herumgelaufen, haben uns am Weihnachtsmarkt fast vom Duft der Süßigkeiten verführen lassen, sind dann doch vernünftig gewesen und haben Obst, Gemüse und Hummus gekauft (wovon wir uns seit Tagen hauptsächlich ernähren) und sind schlussendlich per Bus zum Hafen  gefahren.
Wir mussten auf der Fähre 1 ½ Stunden vor Abfahrtszeit einchecken. Als sie mir bei der Sicherheitskontrolle fast mein Taschenmesser abgenommen hatten sank mir mein Herz kurz in die Hose, aber mein absolut unschuldiges und ehrliches Gesicht hat die Security-Beamten wohl davon überzeugt, dass ich damit nichts außer unsere Karotten kille und ich durfte es behalten.
Nach 15 ½ Stunden auf der Fähre ankerten wir im Hafen von Amsterdam.
Amsterdam ist eine unglaublich entspannte Stadt, zumindest im touristischen Stadtkern. Kein Wunder, sind ja alle durchgehend stoned, mehr oder weniger ;)
Am meisten fasziniert haben mich die grünen Papageien, die überall herumfliegen – ob die wo ausgekommen sind? Die Stadt ist in erster Linie für Radfahrer gebaut, dann kommen Fußgänger und zum Schluss erst Autos: I like! Da kann sich Linz mal eine große Scheibe von abschneiden…
Dinge, die ich sonst noch so gelernt hab:
nosy sea gull
cycle path sounds like psychopath
peanut butter is typical for the Netherlands
we tend to walk in circles (beide totale offline-Karten-Navigations-Chaoten)
und
Karma’s a bitch!
Während wir am Freitag versucht haben in Amsterdam ein Auto zu stoppen und eine Mitfahrgelegenheit nach Arnhem zu bekommen, konnten wir viele verschiedene Reaktionen der Auto- und MitfahrerInnen beobachten: oft ein entschuldigendes Lächeln, manchmal ein verlegenes Beiseite-schaun, hin und wieder nach oben gereckte Daumen, Peace-Zeichen oder winkende Menschen und beizeiten mal ein Mittelfinger. Eine Person fühlte sich durch unsere Anwesenheit offensichtlich so bedroht, dass sie das Bedürfnis verspürte uns dieses Unwohlsein durch Ausspucken zu demonstrieren. Nicht so nett. But karma’s a bitch! – und ließ den Fahrwind des Autos die Spucke ins Gesicht des Absenders wehen. Shit happens… uns hats den Tag versüßt.
Nach 2 Stunden warten nahm uns dann endlich jemand mit, bis fast nach Arnhem, wo wir dann kurz vor der Stadt auf einer Tankstelle an der Autobahn von 2 Deutschen aufgegabelt wurden, die uns bis nach Frankfurt mitnehmen hätten können. Wir haben kurz überlegt, aber… Neee, das wär ja viel zu einfach ;) Außerdem hatten wir ja schon unsere ganzen Couchsurfing-Hosts organisiert. Also haben wir uns in Arnhem wieder rausschmeißen lassen. Unser CS Platz dort war in einer WG bestehend aus 4 anfang-20-jährigen, die alle sehr entspannt waren. Deren Tagesrhytmus war nicht ganz kompatibel mit dem unseren, aber da wir die Gäste waren und im Wohnzimmer auf einer Matratze schliefen, mussten wir uns natürlich danach richten. Es war echt gemütlich, die Leute nett und wir haben viel gequatscht, aber unsere Gehirne fühlten sich durch den Schlafmangel an wie Matsch, als um halb 4 in der Früh endlich das Licht ausgemacht wurde.
Am Samstag klingelte der Wecker um halb 9 Uhr und wir spazierten wieder einmal zu einer Autobahnauffahrt. Also das war der Plan. Wegen Mangels an Recherche sind wir einmal mehr im Kreis gelaufen, bevor ich dann doch noch mal gegooglet habe. Hitchwiki hat uns dann zu einer Tankstelle navigiert. Die offiziell zu Fuß nicht erreichbar ist, weil Zaun rundherum. Zum Glück hatten offensichtlich andere Tramper dasselbe Problem wie wir und waren gleichzeitig besser ausgerüstet, denn an dem einen Ende des Zaunes war ein großes Loch drin. Durch ein Loch im Zaun zu klettern und ein mini-kurzes Stückchen neben der Autobahn zu gehen (Mama, es waren nur so um die 5m, kein Grund um sich Sorgen zu machen :P), um zur Tankstelle zu kommen schien uns sympathischer als wieder zurück zu latschen und mit der Suche nach einem geeigneten Standort von vorne zu beginnen. Wir fühlten uns ein bisschen wie Bonnie&Clyde. Nach einer Mitfahrgelegenheit mussten wir dann auch garnicht lange suchen und auf einmal waren wir schon in Deutschland!
Unsere Strecke für die kommenden Tage:
Duisburg – Frankfurt – Nürnberg – Passau
Bin schon gespannt, wie sich das Hitch-hiken in Deutschland gestalten wird =D


Donnerstag, 17. November 2016

Isle of Arran

Time flies like an arrow!
Es ist schwer zu glauben, dass ich schon wieder eine Woche auf der Isle of Arran bin.
Gestern vor einer Woche bin ich um 07:15 Uhr in Glasgow angekommen, nach einer 10-stündigen Busfahrt. Und einem aufregenden Flug. Da wir wegen schwerem Schneefall in Helsinki eine Stunde Verspätung hatten saß ich ein bisschen gestresst im Flugzeug, konnte die Landung kaum erwarten und bis endlich die Flugzeugtüren geöffnet wurden, vergingen die Minuten träge. Gestresst war ich deshalb, weil ich zwischen Landezeit nach Plan und Abfahrt des Busses nach London zur Victoria Station nur 2 Stunden Zeit hatte. Und als ich von Reykjavik nach London geflogen bin, Anfang Oktober, musste ich lange anstehen bei der Passkontrolle und dann noch auf meinen Rucksack warten und außerdem waren wir im North Terminal gelandet, der Bus fährt aber vom South Terminal ab. Was ich aber außer Acht gelassen hatte: letztes Mal wars ein Freitag, als ich angekommen bin. Und klarerweise ist an einem Freitag viel mehr Betrieb am Flughafen. Dieses Mal wars ein Dienstag, es standen kaum Leute vor der Passkontrolle – und die Gesichtsscanner arbeiten ohnehin sehr schnell – als ich zum Fließband kam, schwebte mein Rucksack schon auf mich zu und zusätzlich waren wir dieses Mal schon im South Terminal gelandet. So war ich trotz Verspätung 1 Stunde zu früh bei der Bushaltestelle. Ich hab einmal mehr gelernt: Es ist total unnötig, sich zu stressen. Es kommt eh so wies kommen muss. Und außerdem gibt es keine Möglichkeit mit ZUKÜNFTIGEN Situationen JETZT klar zu kommen. Denn sie existieren nicht. Das sind nur Bilder in unserem Kopf.
Offensichtlich fahren an einem Mittwoch auch weniger Leute mit dem Bus von London nach Glasgow, letztes Mal war er bis auf den letzten Sitzplatz besetzt, dieses Mal nicht einmal halb voll. Ich hatte also 2 Sitzplätze zu meiner Verfügung und konnte mich ein wenig mehr ausbreiten. Als wir gegen 05:00 Uhr morgens eine Pause machten rieselten dicke weiße flauschige Schneeflocken auf uns herab. Es war wunderschön!
In Glasgow habe ich mich mit Dylan getroffen, einen Workawayer, den ich bei meinem letzten Host kennen gelernt hatte. Er war bei seinem Bruder auf Besuch in Kilmarnock, etwas südlich von Glasgow und auch auf dem Weg zu seinem nächsten Workaway Host.



Um 10:45 Uhr traf ich mich mit Sally, meinem derzeitigen Host. Sie hatte in paar Tage in Glasgow mit ihrer Tochter und deren Baby verbracht. Ziemlich praktisch für mich, so konnte ich mit ihr mit dem Auto zur Fähre fahren und musste nicht den Zug bezahlen. Und dann hat sie mir zusätzlich noch das Fähr-Ticket bezahlt. Return! Sehr lieb ^^
Sally hat ein Haus auf der Insel in dem Örtchen Brodick, in dem sie lebt und 3 Cottages, die sie vermietet. http://www.rowanbankholidaycottages.co.uk/
Meine Aufgaben fallen unter die Kategorie „general maintenance“. Ich habe schon ein paar Möbel abgeschliffen und gestrichen, ein paar Sitze und ein Betthaupt neu tapeziert und das Wohnzimmer ausgemalt.
Von Samstag bis Dienstag war sie wieder in Glasgow und so fiel auch das Gassi gehen mit Molly dem Beagle unter meine Aufgaben. Molly ist der Boss hier im Haus. Manchmal hat man das Gefühl, man kann ihre Gedanken in ihrem Gesicht ablesen. Meistens ist es in die Richtung: „Pleeeease drop a piece I’m starving! Really!“ oder „No. That’s my chair now. Go and sit somewhere else, human!“ oder beim Spazieren gehen: „STOP! There’s an interesting scent. You can go ahead, human, I’ll follow. Maybe…in a couple of hours.“ Oder: „What do you mean, there’s a car coming? I don’t give a shit! Cars have breaks as far as I know, they can stop. I want to walk on the road now. Period.”

Da Gina gerade ihr placement an der Schule in Lamlash – einem Nachbarort – hat, verbrachten wir das Wochenende gemeinsam.
Von Fr auf Sa konnte ich bei ihr im Cottage übernachten, von Sa auf So war sie dann bei mir und hat mir beim Ausmalen geholfen! Sogar hier hab ich meinen eigenen Lehrling =D
Außerdem haben wir Rowanberry Jelly gemacht. Rowanberry = Vogelbeere.
Am Samstag erklommen wir den Gipfel von Goat Fell, dem höchsten „Berg“ hier auf der Insel. Die 800 m waren aber garnicht so ohne! Wenn man in Österreich einen 2000er besteigt, legt man im Endeffekt oft auch nicht viel mehr Höhenmeter zurück, da man ja nicht auf Seehöhe einsteigt. Aber hier beginnt man tatsächlich bei 0m.
Heute hat Sally mit mir die Insel umrundet – mit dem Auto. In ca 1 ½ Stunden ist mal einmal rundherum.

Eine weitere Woche werde ich noch hier sein, dann geht’s weiter, und bald auch wieder Richtung Österreich!

Dienstag, 8. November 2016

ein kurzer Abstecher nach Finnland

Vor genau einer Woche habe ich Schottland verlassen und mich auf den Weg nach Finnland gemacht. Ursprünglich hatte ich vor, auch hier zu workaway-en. Ich habe ein paar hosts angeschrieben, aber leider keine Zusagen bekommen. Und da es mir in Schottland so gut gefallen hat, habe ich beschlossen nicht weiter zu suchen, den Finnland-Besuch kurz zu halten und wieder zurück zu fliegen.
Den Abstecher nach Finnland ganz zu canceln kam nicht in Frage, da ich endlich mal meine Verwandten in Vöra besuchen wollte.
Am Dienstag Abend habe ich mich mit meiner Tante in Helsinki getroffen, wo sie zufälligerweise ein Seminar von der Arbeit aus hatte. Just an dem Tag, an dem ich ankam, war natürlich auch der erste Wintereinbruch, was sich auch auf den öffentlichen Verkehr auswirkte: mein Flug war verspätet, der Zug vom Flughafen zum Hauptbahnhof wurde gecancelled und ich musste den Bus nehmen und unser Zug von Helsinki in den Norden war auch noch verspätet. Aber da alles ein bisschen verspätet war, griff das System wieder ineinander und ich versäumte keines der Verkehrsmittel.
Das Haus meiner Verwandten in Vöra ist in dem typisch skandinavischen Rot gehalten, mit weißen Fensterrahmen und Ecken. Ich blieb 4 Nächte dort. Donnerstag und Freitag waren natürlich Arbeits- bzw. Schultage und ich hatte viel Zeit für mich alleine. Ich konnte meine nächsten Reiseschritte organisieren, habe viel gelesen und bin Spazieren gegangen. Durch die Minusgrade hängt auch tagsüber ein weißer Frost an den nackten Zweigen der Bäume und die tiefe Sonne wirft ein sanftes Licht auf die Landschaft. Man fühlt sich, als ob man auf eine Postkarte gebeamt worden wäre. Und die herumhüpfenden Vögel und Eichhörnchen ergänzen das kitschige Winterbild perfekt.
Am Samstag haben wir eine kleine Wanderung zu einem Aussichtsturm gemacht und am Sonntag sind wir nach Vaasa gefahren - vielen Dank an meine Tante und meinen Onkel, die sich so viel Zeit für mich genommen haben, mich bekocht und mir ihren Wohnort gezeigt haben!


In Vaasa hat meine Cousine ihre Wohnung, wo ich zwei Nächte bleiben durfte. Am Montag kam ich mit ihr mit in die Schule und habe in ihrem Deutsch-Unterricht ein bisschen was über Österreich erzählt. Am Dienstag klingelte mein Wecker so früh wie schon lange nicht mehr: 04:45 Uhr. Ich habe mich entschieden, mit dem Bus anstatt dem Zug von Vaasa nach Helsinki zu fahren. Der Zug wäre zwar doppelt so schnell als der Bus, kostet aber das Dreifache. Und meine Zeitressourcen sind um einiges größer als meine finanziellen Ressourcen. Der Busbahnhof war zu Fuß fast 40 Minuten von Julias Wohnung entfernt: Morgensport [check]. Um mich von  dem frühmorgendlichen Marsch mit 20 kg Gepäck und bei -10°C zu erholen, habe ich jetzt während der 6 ½ stündigen Busfahrt genügend Zeit.
Von Helsinki muss ich dann mit dem Zug zum Flughafen fahren.
Hoffentlich ist mein Flug dieses Mal pünktlich, da ich in London nur zwei Stunden Zeit habe, um meinen Bus ins Zentrum zu erwischen und dort umsteigen muss, in den Bus, der mich über Nacht nach Glasgow bringt.
In Glasgow treffe ich meine zukünftige workaway-host, mit der ich dann gemeinsam zu ihr nach Hause fahre, nach Brodick auf die Isle of Arran.



Sonntag, 30. Oktober 2016

Woodhill

megagroßer Baum - ich kann da locker drunter stehen
Mein workaway-host Sophie ist eine tolle Frau, ruhig, zufrieden, mit einem Ziel vor Augen.
Seit 15 Jahren wohnt sie in dem Haus, in Woodhill, ca. 12 km von Lockerbie entfernt, an der Grenze von England zu Schottland. Das Haus ist riesig groß, mit 7 Schlafzimmern und 3 Bädern, einer große Küche mit Essbereich, einem Wohnzimmer, ihrem Büro und – das allercoolste: eine Bibliothek!
Sie hat aber auch 8 Kinder, die ja irgendwo untergebracht werden mussten. Mittlerweile sind aber alle außer Haus, die Jüngste ist 23.
Eine ihrer Töchter inklusive Ehemann und Kinder durfte ich kennen lernen. Sie haben die Schulferien hier verbracht vergangene Woche. Wie die beiden mit ihren Kindern, Marcus 1 Jahr und Sampson 6 Jahre, umgehen, ist echt toll und hat mich sehr beeindruckt. Wenn Marcus mit seinen 12 Monaten beschließt, auf das Sofa zu klettern und auf der Armlehne zu balancieren, kommt niemand angelaufen und hebt ihn runter oder ermahnt in vorsichtig zu sein, sondern er wird darin bestärkt, sein Gleichgewicht zu testen und er bekommt die Aufmerksamkeit, die er gerade braucht.
Ich könnte noch mehr so Situationen aufzählen, in denen ich eine andere Reaktion der „Erwachsenen“ erwartet hätte, mich ihr tatsächliches Verhalten jedoch immer wieder positiv überrascht hat.
Zur gleichen Zeit waren auch noch 2 andere workawayer da, Luise aus Brasilien und Dylan aus Schottland.

Wir haben Äste und Zweige von dem umgestürzten Baum weggeräumt, einen Pfad zum neuen Hühnerhaus gelegt und aus Ästen und trockenem Gras Unterschupfe für die Vögel gebaut. Das ist nämlich das große Projekt von Sophie – ein „animal sanctuary“ für Vögel zu erschaffen. In Schottland gibt es ganz wenige naturbelassene Plätze und dadurch nur noch sehr wenige Vögel und andere Wildtiere. Ihre 7 acre Land und ihre Energie widmet Sophie also den Vögeln. Und wenn sich ein Igel auf ihrem Land einnisten würde, wäre das wie Geburtstag, Weihnachten und Ostern zusammen, denn Igel gibt es auch sehr wenige hier und sind doch so wichtig für das ökologische Gleichgewicht.
Luise und Dylan sind am Wochenende abgereist.

Samstag und Sonntag waren frei – mein erster workaway Platz, wo ich 2 Tage total frei hatte! Am Samstag war ich auf einem Pferdehof in der Nähe und durfte gleich ein bisschen mithelfen. Am Sonntag hab ich zum ersten Mal Schnüre aus Brennnesseln gedreht, etwas das ich schon lange mal ausprobieren wollte. Und weil es so toll gegangen ist, hab ich gleich noch mehr gemacht und meine Häkelkünste getestet =D

Am Montag Abend kam ein neuer workawayer, Thomas aus Belgien.
Diese Woche war meine Expertise als Tapezierer und Dekorateurin gefragt: wir haben ein Zimmer ausgemalt und ich durfte einen Sessel mit neuem Stoff beziehen. Außerdem haben wir Chutney aus grünen Tomaten eingekocht und Bücher inklusive Regale aus einem Container im Garten ins Haus getragen und neu einsortiert.
Dieses Jahr hatte Sophie 15 workawayer und die Hälfte davon war Vegetarisch. Sie isst normalerweise Fleisch, das sie von befreundeten Farmern aus der Umgebung kauft. Aber da so viele workawayer keines essen, hat sie sich viel mit vegetarischer Ernährung befasst und zaubert die köstlichsten Gerichte mit Gemüse aus ihrem Garten. Und achtet dabei sehr auf Ausgewogenheit und dass wir ja unsere 5 pflanzlichen Eiweißquellen pro Tag bekommen. Es ist faszinierend und inspirierend, wie viel Leidenschaft sie für die Dinge aufbringt, die sie macht. Weil sie einfach wirklich das macht, was ihr Spaß bereitet.
Heute ist mein letzter Tag hier. Hätte ich den Flug nach Finnland nicht schon vor einigen Wochen gebucht, wäre ich noch länger hier geblieben. Aber ich freu mich auch schon wieder auf den hohen Norden. Und eventuell zeigen sich ja die Nordlichter noch mal.
weird looking sheep - schiefgelaufenes Zuchtexperiment?!



Dienstag, 18. Oktober 2016

Glasgow mit Gina

Eichhörnchen im botanischen Garten
Die vergangenen 11 Tage bei Gina waren Urlaub!
Ich bin Samstag in der Früh an der Buchanan-Bus-Station angekommen, von wo mich Gina abgeholt hat. Bei dem Haus, in dem sie gerade Untermieterin ist und auch ich für die Zeit hier wohnen durfte, angekommen, habe ich das liebste Geschenk überhaupt bekommen; eine Tasche voller frischem Obst und Gemüse <3 Genau das, was ich nach 6 Wochen Island brauche!
Das erste Wochenende verbrachten wir hauptsächlich mit quatschen und noch mehr Obst und Gemüse einkaufen. Und Nüsse. Und Müsli. Und zahme Eichhörnchen im botanischen Garten füttern.








irgendwo in Glasgow
Während der Woche musste Gina gelegentlich auf die Uni. Währenddessen hab ich immer irgendwas alleine gemacht, einmal war ich schwimmen, die meiste Zeit bin ich in der Stadt herumgelaufen, lesend die Sonne im Botanischen Garten genossen oder hab zuhause gefaulenzt.
Da Dienstag Ginas freier Tag war und wir beide ausschlafen konnten, gingen wir Montag Abend zum ersten Mal seit wir uns kennen gemeinsam fort! Dass wir einen Club erwischt hatten, in den hauptsächlich Erst-Semester-Studenten gehen, und wir somit um die 6 Jahre älter als die meisten Anderen waren, minderte den Spaß nicht im geringsten =D
Dienstags ließen wir uns Tinte unter die Haut spritzen, die restliche Woche war der Heilung dieser einvernehmlichen Körperverletzung gewidmet.









am Weg auf den Gipfel des "Cobbler"
Am Samstag waren unsere Häute wieder so weit geheilt, dass wir ihnen ein bisschen Schweiß zumuten konnten. Wir fuhren mit John, Gina’s Studienkollegen, ein Stück in den Norden hoch, um den Gipfel des „Ben Arthur“, auch bekannt als „The Cobbler“, zu erwandern.
Das Wetter erinnerte ein bisschen an das Wetter beim Schafabtrieb in Island und am Gipfel wehte der Wind auch fast so stark wie an den letzten Tagen auf Rèttarholt - ich fühlte mich wohl ;)
Just in dem Moment, als wir wieder sicher in John's Auto saßen, prasselten die Regentropfen herab - perfektes timing!






An unserem letzten gemeinsamen Tag besuchten wir die malerische Hauptstadt Schottlands: Edinburgh. Gina hat dort 3 Jahre lang studiert und kennt sich dementsprechend gut aus. Wir haben „Arthur`s Seat“ erklommen, uns in Cafès – nein sry, Tea Rooms – aufgewärmt, in der Mosque Kitchen super gut und super günstig indisch zu Mittag gegessen und die Atmosphäre genossen. Edinburgh ist viel gemütlicher als Glasgow. Aber das Allerbeste an Edinburgh sind die vielen 2n Hand Shops! Cancer Research, Red Cross, Marie Curie, alle möglichen wohltätigen Oganisationen bieten gebrauchte Kleidung, Bücher, Schmuck, Dekosachen und Geschirr an. Gut, dass mein Rucksack schon voll ist, sonst hätte ich einen Großteil meines Reisebudgets in Edinburgh gelassen ;)

Arthu`s Seat in Edinburgh

Und jetzt, wo sich mein inneres GPS gerade Up-gedated und die Glasgow-Karten aktualisiert hat, bin ich schon wieder am Weg zu einer neuen Destination. Es bleibt Schottland, aber ziemlich nahe an der Grenze zu England, ein kleines Örtchen in der Nähe von Lockerbie. Bin schon gespannt, welche Aufgaben mich bei diesem workaway-host erwarten.
Bis nächste Woche!