Hört auf eure Intuition und achtet auf Signale, die euch das Universum
sendet.
Als Dylan und ich Anfang Dezember von Schottland nach Österreich
ge-hitch-hiked sind, hat alles wie am Schnürchen geklappt. Sofort nachdem wir
den Entschluss gefasst hatten und unsere Route fest gelegt war begann ich
Couchsurfing-Hosts in den Städten anzuschreiben. Und zwei Tage später hatte
ich in jeder Stadt eine Unterkunft gefunden. Die Reise selbst war anstrengend,
aber wir sind jeden Tag dort angekommen wo wir hin wollten.
Für mich stand damit schon fest, dass ich auch den Weg zurück
autostoppend zurücklegen will. Und wenn ich einmal einen Plan im Kopf hab,
fällt es mir sehr schwer, was daran zu ändern <-- eins der Dinge, an denen
ich arbeite…
Als ich dieses Mal die Route und die Aufenthalte zu planen begonnen
hab, hatten wir von Anfang an ein komisches Gefühl. Ich habe bestimmt doppelt
so viele CS-Hosts angeschrieben wie vor einem Monat und nur wenige Zusagen
bekommen. Bis zum Schluss hatte ich nicht für alle Städte eine Unterkunft.
Unsere geplante Route war: Passau – Regensburg – Würzburg – Wiesbaden –
Nümbrecht – Düsseldorf – Amsterdam – dann mit der Fähre nach Newcastle und
direkt nach Kilmarnock.
Am Montag hat uns mein Bruder Fabian nach Oed zu der Autobahnraststätte
in Oed gebracht. Von zu Hause hatten wir Karton mitgebracht, um Schilder zu
schreiben. Wegen Temperaturen unter Null suchten wir das Restaurant der
Raststätte auf, um unsere Vorbereitungen zu treffen. Montag, 9:00 Uhr, wir
waren, abgesehen von den Bediensteten, die einzigen Leute in dem Raum voller
Tische. Wir packten gerade den dicken schwarzen Filzstift aus, da kam einer
davon auf uns zugewatschelt: „Was darf ich denn zum Trinken bringen?“ „Nichts,
danke, wir wollen uns nur schnell die Finger aufwärmen, sind in 5 Minuten
wieder draußen.“ Mit einem: „Wenn ihr nichts konsumiert, dürft ihr hier nicht sein.“
wurden wir hinaus komplimentiert. Ich würds ja nachvollziehen können, wenn die
Bude voll gewesen wäre und wir den Tisch für potentielle Kunden blockiert
hätten, aber da war NIEMAND. Und alle, die mit „es ist halt so“ argumentieren,
schaut euch mal dieses Video hier an, und dann reden wir noch mal darüber ;)
Nach einer Weile blieb ein rotes Auto mit deutschem Kennzeichen stehen.
Ein gebürtiger Serbe, der auf Familienbesuch war und Richtung München fuhr, bot
uns an uns bis zur Grenze mit zu nehmen. Er fuhr extra für uns einen Umweg und
brachte uns zur Raststätte vorm Grenzübergang Suben. Es war genau Mittag, als
wir dort ankamen. Mehr als genug Zeit, um bis nach Passau zu kommen – dachten wir
uns. Als es dann plötzlich 22:00 Uhr war, waren wir davon überzeugt, dass
Autostoppen in Österreich keinen Spaß macht.
In der Zwischenzeit wurden wir in der Raststätte ermahnt, dass wir nicht
da drin schlafen dürfen (hatte auf der Sitzbank im Restaurant kurz meine Augen
ausgeruht – und wieder hatten wir den Platz nicht blockiert, weil keine
Nachfrage da war – und außerdem haben wir sogar 2x was zu Essen gekauft, da
drin). Die Kellnerin schlug uns vor, doch ein Zimmer in dem Hotel zu nehmen,
das gleich ums Eck war. Wir zogen das ernsthaft in Erwägung. Doch der
Zimmerpreis von € 95,- war uns dann doch dezent zu hoch angesetzt. Eine andere
Kellnerin bot uns an, uns nach Dienstschluss
nach Schärding zur Haltestelle der ÖBB zu fahren. Blöderweise war ihr
Dienstschluss erst um 22:00 Uhr und der letzte Zug nach Passau wäre schon
abgefahren, bevor wir dort angekommen wären.
Wir stellten uns also noch mal mitten in den Kreisverkehr (also schon
an den Rand, aber halt zwischen zwei Ausfahrten), weil die zweite Kellnerin
meinte, dass es dort einfacher sei, ein Auto zu bekommen, als bei der Ausfahrt
der Raststätte. Das erste Auto, das stehen blieb, war ein Polizeiauto. Es
stoppte neben uns, der Beifahrer ließ das Fenster runter und … sagte erstmal
garnichts. Also lag es offensichtlich an uns, diese Konversation zu beginnen
und starteten mit einem simplen „Hallo“. „Wie oid satzn ihr?“, war ihr Beitrag
zum Gespräch. „25“, erklärte ich. „Ah dann passt des eh. Wo wolltsn hin?“ „Nach
Passau“ „Da fahrn ma leider ned hin. Viel Glück nu“ und weg waren die beiden
wieder.
Wir wurden dann von dem Würzburger Olaf aufgegabelt, der bis nach
Würzburg fuhr, wir fuhren dann die ganze Strecke mit übersprangen so Passau und
Regensburg. Zum ersten Mal bei unseren zahlreichen Grenzüberquerungen standen 2
Beamte da – einer davon mit großem Schießinstrument, aber wir erweckten offensichtlich
nicht ihr Misstrauen. Glücklicherweise bot uns Olaf an, dass wir bei ihm
übernachten konnten. Am nächsten Morgen brachte er uns zur nächsten
Autobahnraststätte. Die war ein bisschen blöd, weil wegen Baustelle wenig
Verkehr. Trotzdem warteten wir nicht soooo lange, bis uns TilSchweigerLookAlike
bis zur nächsten, höher frequentierten, Raststätte brachte. Dort gabelte uns
ein älterer Herr im fancy Mercedes auf, der uns wieder eine Raststätte weiter
brachte. Eine Dame aus in der Nähe von Kufstein nahm uns von dort aus mit, bis
eine Raststätte vor ihrer Abfahrt kurz unter Frankfurt. Da unser Plan sowieso
schon komplett durcheinander gebracht war, hatten wir beschlossen, einfach so
weit wie möglich zu hitch hiken.
Wir hatten uns gerade wieder eine Stunde lang in der Raststätte
aufgewärmt und unsere Nasen in die Kälte gereckt, da kam eine Holländerin (wie
sich später heraus stellte) auf uns zu und bot uns an, uns mit zu nehmen, bis
über die Grenze nach Holland! Zwar nicht auf dem Weg wie wir geplant hatten,
aber wir waren ja sowieso schon komplett von unserem ursprünglichen Plan
abgewichen, also stimmten wir zu. Hauptsache weiter!
Es war schon dunkel, als sie uns raus ließ. Wir hatten keine Idee, wo
wir diese Nacht verbringen würden, aber diese Raststätte hatte 24 Stunden
geöffnet, also konnten wir zumindest rein zum Aufwärmen, falls wir hier stecken
bleiben würden.
Zwei holländische Typen brachten uns dann aber doch noch zur nächsten
Tankstelle. Das hätten wir mal lieber bleiben lassen sollen. Denn diese sperrte
zwischen 2 Uhr und 6 Uhr zu. Und an dieser Tankstelle saßen wir dann wirklich
fest. Es ist schwierig, Mitfahrgelegenheiten zu bekommen, wenn die Leute die
Gesichter der Autostoppenden nicht sehen können, weil noch dazu die Straßenlaterne
nicht funktioniert. Kurz bevor die Tankstelle zu sperrte, verbrachten wir ein
paar Minuten drin, um ein bisschen Wärme für die kommende Nacht zu tanken.
Die 4 Stunden draußen waren nicht schön. Zum Glück hatte es Plus-Grade,
ca. 5°C oder so, aber es war äußert schmerzhaft, die Nacht im Freien verbringen
zu müssen.
In der Früh bot uns ChristophWaltzLookAlike an uns zum Bahnhof in
Cuijk zu bringen, von wo aus wir den Zug nach Amsterdam nahmen.
Da waren wir also, eine Woche zu früh, müde und erfroren. Wären wir doch
nur geflogen xD
Nach vielen gereizten Überlegungen, was tun, und einer Tasse Tee, buchten wir ein Zimmer in einem Hostel. Nach einer Dusche, ein paar Stunden
Schlaf und was Vernünftiges zu essen (nicht den super überteuerten
nährstoffarmen Tankstellen Fraß) ging es uns wieder besser.
Ich buchte die Fähre um, auf den nächsten Tag und so kam es, dass wir 6
Tage früher als gedacht das Festland verließen.
Während der Reise habe ich mich selbst verflucht, nicht auf mein
komisches Gefühl beim Planen gehört zu haben und den einfacheren Weg (Flugzeug)
gewählt zu haben. Es hat nicht so reibungslos funktioniert, weils nicht sein
hätte sollen.
Aber jetzt im Nachhinein war es eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall
missen möchte.
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