Mittwoch, 31. August 2016

Ha det bra Norge! Halló Ísland!

Am Freitag war auf einer Farm im Nachbarort eine „Academic Art of Riding“-Trainerin da. Sossa hat mit Janenna bei dem Kurs mitgemacht und ich durfte zum Zuschauen mitkommen. Es waren 8 Teilnehmerinnen, jede hatte am Vormittag eine halbe Stunde Trainingseinheit und am Nachmittag auch. Zum Glück war schönes Wetter, nur kurz gabs mal einen Regenschauer. Mit Hder deutschen Wwooferin der Farm, Anna, hatte ich viel Spaß beim Erfahrungen austauschen und Hunde spazieren gehen. Sie hat mir auch am Abend dann Gesellschaft geleistet, als Janenna wieder mal ein bisschen länger gebraucht hat, um in den Hänger zu gehen und ich die Hunde beschäftigen musste, damit sie das Pferd mit dem Gebelle nicht noch unruhiger machen.
letzter Abend in Skiptvet mit sternenklarer Nacht
Die Heimfahrt war dann ebenfalls sehr spannend, weil die Scheinwerfer beim Auto ihre wahre Berufung als Strobo-Disko-Lights gefunden haben. Leider haben sie es versäumt, den Arbeitsplatz zu wechseln und so fungierten wir als Verkehrsentschleuniger, denn mit ständig an- und ausgehenden Lichtern und fehlender Straßenbeleuchtung kann man halt mal nicht so schnell fahren ^^

Am Samstag Vormittag hab ich dann meine sieben Sachen gepackt und bin mit dem Zug nach Oslo gedüst. Kari, Sossa`s Schwester, hatte mich ja eingeladen, dass ich bei ihr in der Wohnung übernachten kann, wenn ich nach Oslo komme, und diese Einladung habe ich dankend angenommen. Erst habe ich meinen Rucksack zu ihr gebracht, um dann die Stadt zu erkunden. Oslo ist wirklich eine sehr schöne Stadt und ich hätte gerne noch mehr Zeit dort verbracht, ein Nachmittag reicht definitiv nicht aus!
Plakat im Nobels Fredssenter
Nachdem ich mir einen schnellen Überblick geschaffen hab und den Royal Palace, das Rathaus, das Munch Museum und das National Theatre von außen bewundert hatte, beschloss ich mir die Ausstellung im „Nobels Fredssenter“ = „Nobel Peace Center“ anzusehen. Und die war wirklich toll! Die Ausstellung war in verschiedene Bereiche gegliedert, der permanente Teil erzählte die Geschichte von Alfred Nobel und dem Nobelpreis generell. In den temporären Bereichen sind gerade die Ausstellungen „Syria is my only home“ mit Videoinstallationen; „1965 UNICEF“; „The Tunisian Method“ über die Zeit nach dem Arabischen Frühling in Tunesien; „The dangerous prize“ über Carl von Ossietzky und „Unknown Numers“, eine
bemalte Wand außerhalb des Gebäudes, die der Redefreiheit gewidmet ist, zu sehen.
Der Museumsshop ist auch super cool und wenn mein Rucksack nicht schon so vollgepackt wäre, hätte ich dort sicher viele norwegische Kronen hinterlassen ;)


Vigelandsparken

Danach war ich noch kurz im „Vigelandsparken“, ein Skulpturenpark ganz in der Nähe von Kari`s Wohnung, der die meistbesuchteste Touristenattraktion Norwegens ist. Und in dem sich auch zahlreiche Pokemon-Go-Spieler tummeln =D
Nach dem Abendessen mit Kari in der Wohnung fuhr ich in den Stadtteil „Toshov“, wo das Konzert stattgefunden hat, für das ich mir ein Ticket gekauft hatte.

Am nächsten Tag in der Früh, also so richtig in der Früh, um 05:00 Uhr trat ich die zweite Etappe meiner Reise an, die mich noch weiter in den Norden, nach Island, führen sollte. Ich hab das
Osloer Bahnhof um 06:00 Uhr morgens
ganze ein bisschen schlecht getaktet, denn mein Flieger kam um kurz nach 9 Uhr in Reykjavik an und der Bus in den Norden zu meinem workaway-host ging erst abends gegen 5. Ich hatte also reichlich Zeit, um mir die Stadt anzusehen – wieder einmal. Blöderweise waren auch die Schließfächer am Busbahnhof alle voll – definitiv zu viele Touristen unterwegs hier ;) – und so musste ich meinen Rucksack mitschleppen. Deshalb hab ich beschlossen, die Wege so kurz wie möglich zu halten, hab mir im Supermarkt was zu essen besorgt um hab mich runter ans Wasser gesetzt. Dort und später im Café hab ich dann den Tag verbracht, bis der Bus endlich die Fahrt nach Varmahlid angetreten ist.
Nach ca. 6 Stunden kam ich an, wurde von Annika abgeholt und bin dann auch recht bald ins Bett gefallen. Den ganzen Tag herumsitzen macht auch müde…
Hier auf Réttarholt ist vieles wie früher, aber auch so manches neu. Das heiße Wasser riecht immer noch nach Schwefel, die Kälber sind auch im neuen Stall zum Knuddeln süß, die Melkmaschine anschließen funktioniert genau gleich wie beim letzten Mal und die Islandpferde machen alle kurze Schritte, auch die neuen.
Die ersten drei Tage sind wie im Flug vergangen und ich freu mich auf die kommenden Wochen =)


þangað til næst

Dienstag, 23. August 2016

zweite Woche in Skiptvet

Vergangenen Mittwoch hab ich zum ersten Mal gemeinsam mit Sossa was mit den Pferden gearbeitet, oder besser gesagt, Sossa hat mit mir und den Pferden gearbeitet. Wir haben vom Boden aus Stellung und Schulter herein probiert, das war eine echte Herausforderun für mich. Meine Reitstunden als Kind waren immer vom Pferderücken aus und die zwei, drei Bodenarbeitskurse die ich bis jetzt gemacht hab, waren Peanuts gegen die Feinheiten, auf die Sossa achtet! Ich hab sowas von Glück, dass ich so ein Training kostenlos bekomm =)
Am Freitag sind wir nach Lillehammer gefahren und haben dort übernachtet. Am Samstag war nämlich Buhund Tag. Buhund = typische norwegische Hunderasse. Zu dem Anlass fand in Lillehammer eine Hundeshow statt, wo Sossa ihre beiden präsentiert hat. Máiste hat schon zwei Mal den Preis für den „Buhund der Show“ gewonnen. Aber dieses Mal war ein Richter da, der der Fellfarbe viel Aufmerksamkeit widmet und da Máiste für einen schwarzen Buhund zu braun ist, ist dieses Mal nichts draus geworden. Dafür bekam einer ihrer Söhne den Preis und wenn er ihn noch einmal gewinnt, kann er Champion werden ^^
Sargis fehlen ein paar Zähne, darum hatte er nicht so eine gute Bewertung…
Die restlichen Tage habe ich wieder Heidelbeeren geerntet, bin mit den Hunden im Wald spazieren gegangen – ich bin immer noch fasziniert von der Stimmung im Wald! – habe Gartenmöbel gestrichen, bei der Hundehütte das Dach zum Teil erneuert und mit Dachpappe bedeckt und Unkraut gejätet.
Heute (Dienstag, 23.8.) hat mir Sossa wieder eine Trainingseinheit gegeben, ich durfte mit Janenna arbeiten, vom Boden aus und zum Schluss durfte ich dann auch kurz ohne Sattel reiten =)






Dienstag, 16. August 2016

Velkommen til Skiptvet

Nach 2 Stunden 15 Minuten Flugzeit landete mein NorwegianAir-Flieger pünktlich in Oslo-Gardermoen, von wo ich mit dem Zug zum Osloer Hauptbahnhof und dann weiter nach Askim fuhr. Ich kam gegen halb 5 am Nachmittag an und wurde von meinen workaway-Hosts Sossa und Geir abgeholt.
Noch am selben Abend haben wir zwei von Sossa’s Pferden zu ihrem Haus geholt, die vorübergehend auf der Koppel einer Freundin der beiden untergebracht waren. Ab jetzt wird mich der Duft nach Kamille daran erinnern, dort wächst so viel davon und ich hab mich gefühlt wie in einem Teesackerl ;)
Das erste Pferd, Kotsa, ging quasi von allein in den Hänger rein. Vom Zweiten, Janenna, haben wir eine Lektion in Sachen Geduld erteilt bekommen...
Da es schon dunkel war, als wir wieder zurück waren, entschieden wir uns die dritte Stute, Tingeling, erst am nächsten Tag zu holen und widmeten uns dem Abendessen, das Geir in der Zwischenzeit gezaubert hatte, ergänzt durch selbstgebrautes Bier, Weißwein aus der Wachau und Miles Davis.
Am Donnerstag holten wir in der Früh Tingeling nach Hause. Sossa hatte Besuch von einer Künstler-Kollegin, mit der sie gemeinsam ein Radio-Projekt mit geflüchteten Menschen macht.
Falter am Ribiselstrauch
Damit die beiden ihren Workflow nicht unterbrechen mussten, durfte ich noch vor Mittag meine Qualitäten als Chauffeurin beweisen und hab beim Jeep-ohne-Servolenkung-fahren ein kostenloses Oberarmtraining absolviert. Den Punkt „Autofahren in Norwegen“ hab ich also auch abgehakt. Geir hat den Zug nach Oslo erwischt, keine Verletzten, alles gut.
Der Nachmittag war der Himbeeren- und schwarze Ribisel- Ernte gewidmet.
Da Sossa und ihre Freundin später auch nach Oslo gefahren sind, hatte ich die Aufgabe Isabella zu empfangen, einen Tierärztin aus dem Burgenland, die sich auf die Zahnpflege der Pferde spezialisiert hat. Pferde-Zahnarzt ist kein überlaufenes Berufsfeld in Skandinavien, weswegen sie jedes Jahr in den Norden fährt und dort Zähne raspelt.

Isabella ist freitags zu anderen Kunden in der Nähe gefahren und erst spät am Abend wieder zurück gekommen, deshalb haben wir das Zähneputzen auf Samstag verschoben. Ich hab meine schwarze und rote Ribisel-Ernte fortgesetzt.

Kotsa beim Zahnarzt
Samstags haben wir dann die Pferde gemacht, Marmelade eingekocht und für den Abend vorbereitet.
Es kamen ein paar Freunde auf Besuch, es wurde gegessen (megaviel), getrunken (selbstgebrautes Bier), gequatscht (auf Englisch, damit ich auch was versteh) und gesungen (Johnny Cash und so).







Aus schlaftechnischen Gründen begann der Sonntag für uns erst mittags. Nach einem ausgiebigen Brunch haben wir wieder Marmelade bzw. Gelee eingekocht.
Sossa und ihre Schwester Kari haben mir gezeigt, wo ich mit den Hunden spazieren gehen kann. Das
blueberries, blueberrie EVERYWHERE!
ist eine meiner Aufgaben für Montag und Dienstag, wo die beiden und Geir nach Schweden fahren und eine „know your neighbour-tour“ machen. Das machen die drei einmal im Jahr, sie suchen sich eine Gegend aus und erkunden diese. Heuer umrunden um den See „Vättern“.
Das Gehen auf dem moosbewachsene federnde Boden, die vollkommene Stille, die nur hin und wieder durch Hundehecheln durchbrochen wird, von Blaubeersträuchern gesäumte Pfade und kleine verwachsene Teiche mit schwarzem Wasser haben eine Atmosphäre erzeugt, die mich Graugnome, Wilddruden und Rumpelwichte erwarten ließ.

Sargis, Molly und Máiste


mit den Hunden im Wald


















Montag und Dienstag waren dem Erledigen der Aufgaben gewidmet, die Sossa mir gestellt hatte. Dazu hatte auch noch Zeit zum Hunde und Pferde knuddeln, lesen und die Sonne genießen =)

Montag, 8. August 2016

here I am, on the road again

Die Flüge sind gebucht, der Rucksack gepackt, Kamera-, Laptop- und Handyakku aufgeladen und ab geht’s in den hohen Norden!
Obwohl, erstmal nicht ganz so hoch…
Die ersten 19 Tage verbringe ich in Skiptvet, etwas südlich von Oslo, in Norwegen. Meine workaway-hosts heißen Sossa und Geir und haben einen kleinen Bauernhof.
Ich fühl mich ein bisschen wie 2011 nach der Matura, als ich zu meiner ersten workaway-reise nach Italien aufgebrochen bin. Die Aufregung, zu wem man da wohl kommt, wie die kommenden Tage aussehen werden, kommt mir nur allzu bekannt vor. Gleichzeitig fühle ich mich schon viel sicherer als damals, denn was kann einem schon passieren? Außer dass man nach 4 Tagen vor die Tür gesetzt wird – aber da weiß ich ja mittlerweile, wie das ist ;)
Die nächsten Monate werden geprägt sein von vielen Stunden in Flugzeugen, Zügen, Bussen, Autos, auf Schiffen und Pferderücken, inspirierenden Menschen, neuen Eindrücken, lehrreichen Erlebnissen, erweiterten Sprachkenntnissen, langen Sommertagen, langen Winternächten mit Nordlichtern, Heimweh, neuen Freunden und viel Spaß.
Um euch neugierigen Daheimgebliebenen ein bisschen daran teilhaben lassen zu können (und dabei nicht tausend einzelne E-Mails schreiben zu müssen) aktiviere ich meinen Blog wieder und werde hier mehr oder weniger regelmäßig Berichte und Fotos online stellen.

Wünscht mir viel Spaß! Ich wünsch ihn euch beim Mitlesen =)



Montag, 28. Mai 2012

Jungpferdetraining


21.Mai 2012, Montag
Pferde sortieren
So viel gerannt wie heute bin ich die ganze Zeit hier noch nicht. Wir trieben die gesamte Herde (ausgenommen der Reitpferde halt) rein auf die kleine Koppel und versuchten sie in drei Gruppen zu teilen.

Gruppe #1: die dreijährigen und die Fohlen vom letzten Jahr
Gruppe #2: Stuten zu denen der Hengst kommt
Gruppe #3: Pferden, an die der Hengst nicht ran darf (Wallache, Stuten die im Herbst            geschossen werden, …)

Wir mussten etliche Kilometer zu Fuß zurücklegen, bis wir die gewünschten Gruppen beieinander hatten aber schlussendlich schafften wir es tatsächlich, ohne Verluste unsererseits und ohne dass das kleine Fohlen niedergerannt wurde.
Die Herde #2, zu der der Hengst kommt, durfte zurück auf ihre gewohnte Koppel. Danach versuchten wir die Herde, zu der der Hengst nicht darf auf die Koppel, um die wir den neuen Zaun gezogen hatten zu treiben. Das war eine kleine Herausforderung ^^ Annika und Robert trieben die Pferde zu Indra und mir und wir sollten die dann zu einem Richtungswechsel nach links bewegen, auf die „neue“ Koppel zu. Doch die Vorstellung der Frechdachse von Freiheit war mit der unseren nicht so richtig kompatibel und galoppierten geradeaus weiter, zurück zur alten Koppel, wo bereits die Stuten standen. Tja, und da Indra und ich zwei Beine weniger haben, als die frechen Tiere, können wir auch nur halb so schnell laufen, und unser Versuch, sie umzuleiten misslang kläglich. Mit Annikas und Robert Hilfe und noch mehr Gerenne und Geschrei war aber auch diese Herde dort verstaut, wo wir sie hinhaben wollten und der Abend war gerettet ;)

22.Mai 2012, Dienstag
Jungpferdetraining I
Heute wurde meine (kleine, aber feine) Erfahrung mit Pferden um eine mehr erweitert. Zum ersten Mal hatte ich dir Möglichkeit mit Jungpferden zu arbeiten (danke Annika! =))
Die drei Fohlen vom letzten Jahr – die Fuchsschecke Brynja, und die zwei Graufalben Venus und Mosa – trieben wir in den Pferch rein und Charlie, die sechsjährige Apfelschimmelstute, durfte als Kindergärtnerin funktionieren. Ein Fohlen nach dem anderen wurde dann vom Pferch in den Stall getrieben, in dem Charlie schon brav wartete. Brynja war die erste – und einfachste. Da die Kleine im Winter mal krank geworden war, war sie den anderen in ihrer Erziehung sehr weit voraus. Man konnte sie ohne Probleme am gesamten Körper streicheln, das Halfter anlegen und die Hufe heben, ein schöner Beginn ;)
Danach kamen die Graufalben dran, keine Ahnung mehr in welcher Reihenfolge, die sehen so gleich aus ^^
Diese beiden kannten es weder gestreichelt zu werden, geschweige denn ein Halfter auf den Kopf zu bekommen oder die Hufe zu heben. Die erste war sehr entspannt und ließ es ruhig über sich ergehen, am ganzen Körper abgestreichelt zu werden. Bei der zweiten war das ein bisschen schwieriger, aber schlussendlich entspannte auch die sich.
Dann waren die dreijährigen dran. Die kennen die Prozedur ja schon, was aber nicht heißt, das Halfter raufmachen und Hufe heben einfach ist.
Es ist total spannend zu sehen, wie unterschiedlich Jungpferde sind, die alle vom selben Vater abstammen, in der selben Herde aufgewachsen sind und auf die gleiche Art und Weise ausgebildet wurden.
Die helle Fuchsstute Gloa ist ein richtiger Engel, Halfterführig, Hufe heben kein Problem, aber auch nicht abgestumpft. Die wird Annika höchstwahrscheinlich nächstes Jahr zu Tina schicken, um Gloa zu einem Reitpferd ausbilden zu lassen.
Im Gegensatz dazu gibt es einige, die man erst in den Stall reintreiben muss, um das Halfter überhaupt auf den Kopf zu bekommen und von Führen ist da auch keine Rede, da steht noch longieren auf dem Plan.
Unter der Anleitung und mit Hilfe von Annika arbeiteten Indra und ich also mit den sieben Dreijährigen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Am Abend, als wir zum Melken in den Stall kamen, lag da eine Kuh mitten am Gang flach auf der Seite. Das ist nie ein gutes Zeichen, so liegen Kühe normalerweise nicht. Annika vermutete Calciummangel und verabreichte das Zeugs gegen Engergiemangel und Calciumspritzen, welche aber keine Wirkung zeigten. Da die Kuh genau am Weg zur Melkkammer lag, mussten die restlichen Kühe heute andersrum gehen, um zu den Melkmaschinen zu gelangen, was Verwirrung pur bedeutete.
Selbst als wir mit Melken fertig waren (ca. 1 ½ Std später), hatte die Kuh sich noch nicht erhoben und war durch nichts dazu zu bringen. Mit Seilen versuchten wir sie dann in die Extrabox zu ziehen. Wenn 400 kg beschließen, sich  nicht bewegen zu wollen/können, dann haben ein Robert, eine Annika, eine Indra und eine Verena schwer dran zu arbeiten, an diesem Zustand etwas zu ändern. Diesem Tauziehen – das 1:0 für die Menschen ausging – verdanke ich einen Muskelkater in den Oberarmen ^^

23.Mai 2012, Mittwoch
Jungpferdetraining II
Dieser Tag war ein eindeutiger Pferdetag. Vorm Mittagessen bewegten Indra und ich die Reitpferde.
Nach dem Mittagessen gings wieder ans Jungpferdetraining. Bei vielen konnte man richtige Fortschritte erkennen, im Vergleich zu gestern. Kaldi, ein grauer Wallach, zum Beispiel, zickte gestern total rum, beim Hufe heben. Heute war das alles kein Problem mehr. Er war der erste, den Indra und ich uns in den Pferch geholt hatten und wir waren richtig überrascht, dass das so schnell ging und hofften natürlich, dass die anderen Pferde auch so einfach sein würden. Aber denkste, unsere Hoffnungen erfüllten sich nicht ^^
Bei einigen ging es auch schon besser als am Vortag, bei anderen wars ein bisschen mehr Herausforderung.
Tinna, eine Rappstute, zickte gestern schon richtig rum, beim Halfter drauf machen. Sie ist ziemlich Kopfscheu, lässt sich kaum mit der Hand über die Nase fahren und wenn man versucht, das Halfter raufzubekomme, reißt sie den Kopf hoch. Für solche Spielereien sind Indra und ich definitiv zu klein und zu leicht.
Bei solchen Pferden ist dann oft die Lösung, sie in den Stall reinzutreiben, dort haben die weniger Platz um zu entkommen und es ist ruhiger. Aber Tinna hatte auch gegen diesen Plan etwas einzuwenden und sträubte sich, da reinzugehen. Wir bekamen das Halfter schließlich doch im Pferch rauf und versuchten dann, Tinna mit Charlies Hilfe in den Stall zu bekommen, indem wir sie schonmal reinstellten, damit Tinna sieht, dass da drin kein Raubtier auf sie lauert. Doch alles ziehen und zerren und treiben und anstupsen war umsonst, wir brachten das Tier nicht in die „Höhle des Löwen“. Naja, man soll ja eigentlich nicht aufhören, bevor man das Ziel erreicht hat, weil die Tiere sich das merken und es beim nächsten Mal dann noch schwieriger werden könnte, aber die Stute noch mehr aufzuregen schien uns auch nicht sinnvoll und so verlegten wir uns aufs longieren.
Die Fuchs-Farbwechslerstute Skima hatte auch etwas gegen ein Halfter am Kopf einzuwenden. Aber die ging in den Stall rein, wo es uns gelang, das Halfter anzulegen. Doch als wir die Tür öffneten, schoss das Tier wie von der Tarantel gestochen raus und riss mir die Longe aus der Hand. Nach einer Runde im Fetzgalopp durch den Pferch, die Longe hinter sich her schleifend, machte die Stute einen auf Rammbock und stürzte sich mit dem Kopf voran gegen die hölzernen Zaunlatten, mit denen der Pferch eingegrenzt ist. Das morsche Holz gab nach und mit einem lauten „Krachz“ war das Pferd raus. Ups.
Wir versuchten es wieder einzufangen, doch die Stute rannte aufgescheucht herum und machte die restlichen Dreijährigen ganz kirre. Endlich rannte sie mit ein paar anderen in den Pferch, wo wir dann wieder an sie ran kamen und die anderen nach und nach rausschicken konnten. Um einen positiven Abschluss der Trainingseinheit zu haben, longierten wir sie noch ein paar Runden, bevor wir sie in die Freiheit entließen.
Naja, Zaunlatte wurde ersetzt und morgen müssen wir da halt extra aufpassen.

Der Zustand der Kuh, die wir gestern in die Extrabox ziehen mussten, hatte sich heute in der Früh auch noch nicht gebessert. Die Tierärztin vermutete, dass das arme Tier sich beim Sturz etwas gebrochen hatte, denn bloßer Calciummangel konnte das nicht sein.
Aus diesem Grund: Neue Diagnose: Bleimangel.
Lösung des Problems: Kugel in den Kopf.
Da aber nicht gänzlich klar war, ob da nicht doch auch ein paar Bakterien oder ein Virus seine Hände im Spiel hatten, war die Kuh zum Verzehr nicht geeignet, sondern den Flammen in der Tierverbrennungsanlage übergeben.

Ach ja und in der Nacht von gestern auf heute ist wieder ein Fohlen geboren worden, ein Rappschecke. Fotos werden folgen ;)

24.Mai 2012, Donnerstag
Jungpferdetraining III
Da es schon in der Früh sehr windig war, ritten wir gleich nach dem Frühstück die Reitpferde, denn meistens wird der Wind im Laufe des Tages noch stärker. Zum ersten Mal wurde auch Kápur gesattelt und Indra ritt ihn runter zum Tor und wieder rauf, während ich die beiden mit Villingur begleitete. Danach waren Kapteinn, Rudi und Villingur als Handpferd dran und zum Abschluss Náma und Milla. Durch den starken Wind waren die beiden Stuten nervöser als sonst und Milla sah in jedem Stein eine Gefahr und musste natürlich davor ausweichen, naja, schadet ja nicht, so ein Gleichgewichtstraining ;)
Mit Milla und Náma gönnen Indra und ich uns immer einen flotte Let’s-Fetz-Galopp. Ich war vorne weg (die kleine Milla kann richtig Gas geben =D), als sich direkt neben ihr ein Stein in ein gefährliches Raubtier verwandelte und sie einen Sprung zur Seite machte. Das wäre ja noch einfach zu sitzen gewesen, doch gleich nach dem sie gelandet war, lag da überraschenderweise so ein gelber Straßenabgrenzungsstock, der ihr in den letzten Wochen nie aufgefallen war, aber heute gruseliger war als sonst. Mit einem großen Satz sprang sie auch noch da drüber. Meine Steigbügel verabschiedeten sich von meinen Füßen und ich sah mich schon am Boden liegen. Doch dank der dicken Mähne konnte ich mich wieder in den Sattel ziehen und die Balance wiederfinden. Am Ende der Galoppstrecke parierte ich die Gute durch und drehte mich um, um auf Indra zu warten, die mir mit den Worten „Ich hab meinen Steigbügel verloren!“entgegengaloppiert kam. Lachend erwiderte ich, ebenfalls meine Steigbügel verloren zu haben, doch sie antwortete: „Nein, ich hab ihn wirklich verloren. Den ganzen! Mit Riemen!“ Das Ding war tatsächlich aus der Emergency-Halterung gerutscht. Wenn man das so schreibt, klingt es gar nicht mehr so lustig, wie wir das in diesem Moment fanden. Uns schüttelte es vor Lachen, als wir unsere treuen Pferde umdrehten und uns auf die Suche nach dem Ding machten, das auch bald erfolgreich gefunden, wieder an den Sattel montiert und dann der Heimweg – erneut – eingeschlagen wurde.
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Es gibt, sehr grob eingeteilt, zwei Gruppierungen unter den Dreijährigen. Die einen lassen sich das Halfter einfach im Pferch über den Kopf ziehen. Die anderen zicken ein bisschen mehr rum, bei diesen ist es dann einfacher, sie in den Stall zu treiben und dort drin aufzuhalftern.
Die zweite Gruppe ist es also gewöhnt, vom hellen in den etwas dunklen Stall zu gehen, wobei die Pferde der ersten, die eigentlich einfacher zu händeln sind, wohl ein verstecktes Raubtier da drin vermuten.
Kaldi war mit Heu davon zu überzeugen, dass da drin nichts Schlimmes passiert. Tinna und Gloa, die zwei Stuten, die eigentlich die bravsten sind, waren nicht so leicht zu überreden, bei Tinna hatten Indra und ich ja gestern die Versuche sie rein zu bekommen schon aufgegeben.
Heute holten wir uns Unterstützung von Annika und Robert. Robert zog an einem langen Strick, der vorne am Halfter angebracht und über einen Ring in der Stallwand umgeleitet war und Annika und ich machten Druck von hinten mit einem Strick quer über das Hinterteil von Tinna. Indra trieb noch extra mit Gerte dazu. Tinna sprang hin und her, schüttelte widerwillig den Kopf, setzte sich fast nieder und begann zu Steigen – war unser Glück war. Als sie wieder einmal ihre Vorderbeine protestierend in die Luft schmiss zog Robert kräftig an und Annika und ich drückten von hinten nach, so flog die Stute buchstäblich in den Stall rein. War ein feiner Anblick ^^ In solchen Momenten bräuchte man einfach jemanden, der mit Kamera dasteht und Aktionen dieser Art dokumentiert…
Bei Gloa war der Sprung in den Stall nicht ganz so spektakulär, wenn auch nicht weniger anstrengend ;)

25.Mai 2012, Freitag
Wind, Wind, Wind
Der Wind hat an Kraft seit gestern noch zugenommen, deshalb ließen wir die Pferde Pferde sein und ersetzten das Reittraining am Vormittag durch Liegeboxen putzen im Kuhstall.
Am Nachmittag fuhren wir drei Mädels nach Krók einkaufen, kamen um 16:00 nach Hause und verbrachten den restlichen Nachmittag sehr unproduktiv ;)
Rund um die Farm blies der Wind die Erde in der Luft vor sich her, es taten sich richtige Staubwände auf, die mehr an Wüste als an Island erinnerten.



26.Mai 2012, Samstag
Und Wind, Wind, Wind zum zweiten…
Robert hatte heute in der Früh wieder das Melken geschwänzt – wir schön langsam zur Gewohnheit :P.
Da der Wind seit gestern um kein Bisschen nachgelassen hatte, bekamen die Jungpferde zum zweiten Mal „Sturmfrei“.
Indra und ich hatten in den vergangenen Tagen das Winterfell der Jährlinge beim Putzen abgezweigt und in einem Eimer gesammelt. Wir wollten versuchen, ob man die Schafwolleähnlichen Wuschel spinnen kann. Unsere Augen hatten auf dem Dachboden nämlich ein altes verstaubtes Spinnrad entdeckt.
Dieses wurde sogleich in den Stall getragen und in Schuss gebracht. Das Fußpedal, das das Rad antreibt, war der Zeit zum Opfer gefallen, so improvisierten wir und brachten eine Handkurbel an.
Wir versuchten das Fell mit den Pferdestriegeln zu kämmen, was mäßig Erfolg brachte, so gingen wir dazu über, es einfach mit den Händen zu entwirren. Indra setzte sich ans Spinnrad, ich brachte Schwung in die Sache und los gings =D
Das Ergebnis: Eine 30 cm lange Schnur, gesponnen aus dem Fell von Venus, Mosa und Brynja.
Am Abend fieberten auch wir beim Eurovision Songcontest mit und fanden Island eindeutig am besten ;)

27.Mai 2012, Sonntag
Die Gefahr, sich zu überarbeiten, ist groß xD
Heute war Annika mit Ausschlafen dran. Robert verschwand nach dem Melken aber auch ganz schnell wieder im Bett, hatte er doch die Nacht davor zum Tag gemacht.
Indra und ich frühstückten doppelt so lange als normal, danach ließen wir die Kühe raus und füllten 2 Tonnen mit Pellets für die Kälber auf.
Das wars. Aber es war ja auch Sonntag.
Mit Büchern bewaffnet kletterten wir auf die Siloballen, wo wir die nächsten 2 ½ Std verbrachten. Dann trieb uns der kalte Nordwind ins Haus.


In dieser Woche kamen dann auch noch vier weitere Fohlen zur Welt, mittlerweile laufen also sechs so kleine Wesen auf den Koppeln herum, von denen fünf Annika gehören. 



Sonntag, 20. Mai 2012

eine gemütliche woche


14.5.2012, Montag
Wir ließen den chilligen SonnTag gestern mit einem chilligen SonnAbend ausklingen, bei „The adventures of Tin Tin“ und Nachos mit Salsasoße.
Heute untertraf die Arbeitsintensivität fast noch gestern, das einzige, das ich außer Melken in der Früh und am Abend machte, war eine Wand im Kälberstall mit dem Hochdruckreiniger zu bearbeiten. Annika und Robert fuhrwerkten im Haus herum (Gardinenstangen anbringen usw.). Nachdem ich die Hälfte des Drecks von der Wand auf den Boden und die andere Hälfte in mein Gesicht gewaschen hatte, waren noch nicht einmal zwei Stunden vergangen und Annika beschwerte sich, dass es so schwierig sei, eine Aufgabe für mich zu finden, da ich immer zu schnell fertig sei. :P

15.5.2012, Dienstag
Schnee vs. Gravitation und Puzzlespiel
Heute in der Früh strahlte die Sonne vom Himmel, als gäbe es einen Wettbewerb zu gewinnen. Ich freute mich schon darauf, endlich wieder mal reiten gehen zu können. Nach dem Melken wehte allerdings schonwieder ein laues Lüftchen und Annika war auch nicht sehr begeistert von meiner Idee. Ich ließ mich dann auch schnell überzeugen, doch nicht reiten zu gehen, als wir beim Frühstück dem Schnee quasi beim Näherkommen zusehen konnten. Die Schneeflocken hier haben die Angewohnheit sich der Gravitation zu widersetzen und nicht senkrecht vom Himmel zu fallen, sondern waagrecht aus dem Norden gegen die Küchenfenster zu klatschen.
Naja, Rex und ich hatten Spaß beim Schneeballspiel ;)
Das Wetter störte aber nicht, heute stand sowieso am Plan, den Boden des Melkgrabens zu putzen. Wir stehen beim Melken nämlich nicht direkt am Betonboden, sonder ca. 50 cm drüber, auf einem Plastikgitter. Um den Boden zu Putzen mussten die Dinger also rausgenommen werden, was einen mittelgroßen Aufwand bedeutet und in den 8 Jahren, in denen der Melkgraben nun existiert, noch nie gemacht wurde ^^
Robert hob das Plastikgitter von der Halterung, Annika schrubbte den Boden darunter und ich spülte erstmal die Gitterteile ab. Nach dem Mittagessen durfte ich endlich wieder mit meinem geliebten Hochdruckreiniger hantieren und den Gitterteilen eine minutiöse Reinigung unterziehen.
Gut, dass ich schon immer gerne Puzzle gespielt habe, das wieder Reinlegen der Gitterteile auf die Halterung unterschied sich nämlich nur geringfügig von dem Legespiel. Zum Glück war es kein 1000-Teile-Puzzle, dafür hatten alle die gleiche Farbe – grün.
Aus Mangel an Lesestoff – die isländische Zeitung kann ich zwar lesen, versteh ja aber nichts, was das Ganze langweilig macht; das Buch, das eine Freundin von Annika hiergelassen hat, hab ich schon fertig; im Reiseführer hab ich auch schon alles doppelt entziffert – habe ich mir zum ersten Mal ein ebook runtergeladen.
Ist schon praktisch, so ein ebook. Braucht nicht viel Platz im Rucksack und belastet mein Fluggepäckgewichtsmaximum nicht zusätzlich.
Aber ich werd trotzdem bei der altmodischen Variante aus Papier und Druckerfarbe bleiben, hat einfach mehr Flair ;)

16.5.2012, Mittwoch
Sonne vs. Schnee: 1:0 für die Sonne
Die Sonne hat sich heute endlich mal wieder gegen die dicken Wolken durchgesetzt und schien alles nachholen zu wollen, was sie die letzten Tage versäumt hatte.
Am Vormittag, nach Melken und Frühstück, war reiten angesagt und ich bewegte erst Villingur mit Náma und Kapteinn als Handpferde und dann Milla und Rudi. Die Zeit raste nur so dahin und als ich das letzte Pferd zurück in die Freiheit entlassen hatte, stand das Mittagessen praktisch schon auf dem Tisch – lecker Nudeln mit Wokgemüse.
Danach stand Zaun bauen am Plan.
Ursprünglich sollten wir die zweite workawayerin heute von Akureyri abholen, doch wegen des schlechten Wetters der vergangenen Tage hatte die Fähre, mit der sie kam, einen Tag Verspätung.
Ach ja, ein Kalb erblickte heute Früh das Licht der Welt, oder eher erst einmal die Kuhscheiße im Stall; es war wieder so ne Überraschungs-Geburt und wir taten die Kuh nicht in die Extrabox am Vortag.

17.5.2012, Donnerstag
Indra
Um Indra, die neue workawayerin, abzuholen, fuhren wir heute nach Akureyri. Logischerweise kauften wir auch wieder Lebensmittel für die nächste Dekade ein (wir brauchen einen größeren Kühlschrank!!! ;) ) und ich besorgte ein paar Postkarten – lasst euch überraschen, an wen sie gesendet wurden ;)
Die Sonne hatte sich gestern so verausgabt, dass sie heute anscheinend einen Tag Pause brauchte, und dem Schnee den Vortritt ließ. Gut, dass wir heute erst nach Akureyri gefahren sind und gestern den Tag zum Reiten und Zaun bauen nutzten.

18.5.2012, Freitag
Souvenirs und ein laaaaaanger Ausritt
Heute hab ich mich so richtig als Touristin geoutet. Erst hab ich Postkarten in den Postkasten geworfen und dann haben wir (Annika, Indra und ich) den Souvenir-Shop in Varmahlid besucht.
Dort gibt es typische isländische Mitbringsel zu kaufen – handgestrickte Pullis, Westen, Socken, Mützen, Handschuhe, usw. aus Schafwolle, Schmuck aus Lavasteinen, diverse Schlüsselanhänger aus Pferdehaaren, Entenfüßen oder Knochen, …
Da ich ja nur noch 2 Wochen hier bin (*schnüff*), hab ich meine Kreditkarte gezückt und ein Vermögen für eine Weste und eine Kette verbraucht. Also, Mum, wenn du den Kontoauszug am Ende des Monats kontrollierst: ja, ich hab so viel Geld ausgegeben ^^
Am Nachmittag haben wir uns wieder auf die Pferde gestürzt, Indra durfte ihren ersten Ritt in Island mit Villingur meistern, Annika auf Kapteinn und ich auf Rudi. Wir sind hoch zu einer benachbarten Pferdefarm, wo uns der Besitzer, Ingemar, gleich mal eine Runde durch den Stall führte, seine Pferde, Schafe und Lämmer präsentierte und uns ein Stamperl Schnaps einflößte. Kuchen gabs auch *grins*.
Kurzentschlossen sattelte er jeweils ein Pferd für sich und seinen Sohn, um die Runde mit uns fertig zu reiten. Nach den ersten 100 Metern kam er auf die Idee, Annika sollte doch mal sein superduper Pferd reiten und die beiden tauschten ihre Tragetiere.
In flottem Tempo gings heim nach Réttarholt, wo die beiden ihre Pferde wieder wechselten und Ingemar und sein Sohn tölteten zurück zu ihrer Farm.
Danach sattelten Indra und ich uns noch Milla und Náma und machten eine kleine „Let’s fetz-Runde“. Indra konnte ihre ersten Tölterfahrungen machen und ich denke, der Islandpferdevirus beginnt sich auch in ihrem Körper breit zu machen ;)

19.5.2012, Samstag
Der Sommer begann heute auch für die Milchkühe, sie durften zum ersten Mal dieses Jahr die frische Luft und die Sonne genießen. Gegen die bösen UVB Strahlen wurde Nivea-Sonnencreme LSF 20 eingesetzt, wodurch beim Großteil der Kühe Sonnenbrand auf den Zitzen vermieden werden konnte.

20.5.2012, Sonntag
Wieder ein gemütlicher Sonntag
Sonntage sollte auf ChillTag umbenannt werden. So gemütlich der letzte war, dieser übertrifft ihn leicht. Nach Melken, Frühstück und Kühe wieder in die Freiheit entlasse, unternahmen wir drei Mädels einen kleinen Spaziergang auf die Weide zur Herde. Der Grund: Fohlen =D
In der Nacht von gestern auf heute brachte eine der alten Schimmelstuten ein noch schimmligeres, sprich schneeweißes, Fohlen zur Welt. Das Kleine leuchtet richtig aus der Menge heraus. Normalerweise werden Fohlen ja dunkel geboren und werden erst im Laufe der Zeit weiß, drum hegten wir schon den Verdacht, es sei ein Albino, der Aalstrich am Rücken hat uns dann aber vom Gegenteil überzeugt.


Indra und ich durften uns, nachdem wir die Kühe wieder in den Stall verfrachtet hatten, Annikas alten BMW schnappen und nach Hofsos fahren. Dort gibt es ein Schwimmbad, das wir mit unserem Besuch zu beehren gedachten.
Das Bad ist so konstruiert, dass es beim Schwimmen im tiefen Becken so wirkt, als würde man direkt im Meer weiterschwimmen.
Ich bin jetzt auch ganz patriotisch unterwegs, mit rot-weiß-roten Streifen am Dekolleté ^^



Sonntag, 13. Mai 2012

Reittour


13.5.2012, Samstag
Reittour mit Annika und Hanna
Das Highlight dieses Samstages war die Reittour mit Annika und Hanna (einer ihrer Freundinnen).
Es war lange nicht sicher, ob wir überhaupt reiten können würden, da der germanische Wettergott Thor das Bedürfnis hatte, seine Macht zu demonstrieren und Wind und Regen auf uns niederschickte. Zum Glück hatte er sich nach dem Mittagessen fertig ausgetobt und Annika und ich packten Náma, Milla und Villingur in den Hänger. Sättel plus Satteldecken, Zaumzeuge und Helme wurden in den Kofferraum verfrachtet und dann gings los zur Schwedin Hanna.
Dort angekommen musste sie erst noch Villingur beschlagen, denn er hatte sein Hufeisen vom rechten Vorderhuf in den vergangenen Tagen irgendwo verloren.
Gegen 15:00 begab sich unsere Truppe, bestehend aus drei Reiterinnen und fünf Pferden auf den Weg zum ersten Etappenziel: Kolkuós.




Der Reitweg von Hannas Hof bis Kolkuós wurde von vielen, vielen Zaungattern durchbrochen, welche man, um weiter zu kommen, natürlich öffnen und wieder schließen musste. Diese Aufgabe teilte Annika mir zu, da ich als einzige kein Handpferd mitführte. Oft war Hanna aber schneller mit absteigen und öffnen, da sie unseren Trupp anführte und ich ganz hinten ritt.
Kurz vor Kolkuós durchquerten wir die Weide einer Islandpferdeherde, die uns aber erst mal nicht spannender fand, als das Gras rundherum und uns ignorierte.
Beim ehemaligen Hafen angekommen, befreiten wir unsere Isis vorübergehend von ihrer Last und stellten sie in einem kleinen Paddock unter, die man auf jeder Weide in Island finden kann.
Kolkuós ist ein wunderschöner Ort, der dazu einlädt laue Sommernächte dort zu verbringen.

Als es Zeit wurde weiter zu reiten und wir zu unseren Pferden zurückkehrten, fanden wir dort mehr von den Vierbeinern vor, als wir zurückgelassen hatten. Die Herde, in deren Weide wir ungefragt eingedrungen waren und uns erst geflissentlich ignoriert hatte, war uns nun doch gefolgt und stand rund um die Ausrüstung herum. Zum Glück waren die Sättel, Zaumzeuge und Helme noch heil und wir bereiteten unsere Pferde zum Weiterreiten vor. Ein Teil der fremden Herde folgte uns noch ein Stück, bis sie wieder an Interesse verloren.
Entlang der Steilküste am Meer gings weiter zum nächsten Ziel: Bakki.
Die Reise dorthin war nicht ganz einfach, fiese Tore, die sich nicht öffnen lassen wollen und kleine, aber steile Schluchten stellten sich uns in den Weg, wurden von uns und unseren Pferden aber gemeistert.
Die Aussicht war unglaublich schön! Der einzige der etwas gegen mein ständiges „nach rechts blicken“ hatte, war mein Nacken, als Protest gegen die einseitige Bewegung verkrampften sich die Muskeln an der linken Seite ;)
Bei der Schafsfarm wurden wir herzlich empfangen und konnten unsere erschöpften Pferde in den Boxen der hauseigenen Pferde unterbringen. Das ist das tolle in Island, auf jeder Kuh- oder Schafsfarm gibt es immer auch eine Islandpferdeherde =D
Da es schon etwas spät war und das Wetter immer unfreundlicher wurde (bis dahin hatte es nur hin und wieder ein bisschen getröpfelt), beschlossen wir, bei Kaffee (für Annika und Hanna), Wasser (für mich) und Kuchen (für uns alle), dass die Pferde auf der Farm übernachten werden und wir am nächsten Tag entweder weiterreiten würden, oder die Pferde mit dem Hänge nach Hause bringen würden. Das lag wieder mal an unserem lieben Thor.
Der Freund von Hanna holte uns mit dem Farmauto von Bakki ab, denn wir mussten ja auch noch zu Hanna, da dort Annikas Auto stand. Die Fahrt war alles andere als rasend. Das Auto gab unwillige Geräusche von sich und so polterten wir im Schritttempo zurück. Endlich angekommen koppelten wir den Pferdehänger von Annikas Auto ab und fuhren, jetzt wieder in normalem Tempo, zurück nach Réttarholt. Schließlich war es Zeit die Kühe zu melken.
Der Abschluss des feinen Tages bildete das Finale von „Britain’s got talent“.



Fotos von der Reittour:








13.5.2012, Sonntag
Thor ist schlecht gelaunt
So gnädig uns Thor gestern gestimmt war, heute konnte er sein Temperament nicht in Zaum halten und blieb uns seinen eisigen Atem entgegen.
Die Luft ist angefüllt mit winzig kleinen Schneeflocken, die uns, vom Wind angetrieben, waagrecht ins Gesicht wirbeln.
Der Gute sollte mal einen Blick in den Kalender werfen, wir haben Mitte Mai, was soll der Schnee?! :P
 




Angesichts dieser Umstände verzichteten wir auf eine weitere Reittour und holten die Pferde mit dem Hänger ab.
Vor uns liegt ein schön fauler Sonntag =D